«Mit CF im Leben stehen»

Hygiene-Massnahmen im Alltag bei Cystischer Fibrose

[12.2011] Das Wort Hygiene stammt aus dem Griechischen und bedeutet «gesunde Kunst». Es ist von Hygiéia, der griechischen Göttin der Gesundheit, abgeleitet. Hygiene im engeren Sinn bezeichnet die Massnahmen zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. CF-Betroffene respektive die Eltern von CF-Betroffenen werden heutzutage schon sehr früh mit Hygiene-Empfehlungen konfrontiert. Hygiene-Empfehlung en haben das Ziel, die anfälligen CF-Lungen vor der Besiedelung beziehungsweise der Infektion mit schwierig behandelbaren Bakterien wie zum Beispiel Pseudomonas aeruginosa zu schützen.

Einführung

Dieser Beitrag soll eine Auswahl der wichtigsten Hygiene-Massnahmen für CF-Betroffene im Alltag darstellen, ohne sich dabei in einen «Hygienismus» zu stürzen , der darin bestünde, eine Infektion auf Biegen und Brechen verhindern zu wollen, was zu einem zurückgezogenen Leben führt, basierend auf der Furcht vor Krankheitskeimen, wodurch Sie von jeglicher sozialen Beziehung abgeschnitten würden. Es ist notwendig, die Dinge angemessen zu unterscheiden und dabei realistische Empfehlungen zu erwägen, mit denen die Übertragungsrisiken begrenzt werden sollen, und zwar entweder über die Umwelt oder bei der Pflege. Sie müssen eine gewisse Entscheidungsfreiheit bewahren.

Dieser Artikel stützt sich im Wesentlichen auf die «recommandations pour la prévention de l’acquisition et de la transmission des germes respiratoires dans la mucoviscidose», aber auch auf die täglichen Erfahrungen bei der Beratung und richtet sich an Patienten, Eltern und Verwandte von Kindern, die an Cystischer Fibrose leiden. Das Hygienekonzept bei Patienten, die an Cystischer Fibrose leiden, wird in der therapeutischen Ausbildung als «ein Ziel, das in das Bezugssystem von Selbstbehandlungs- und Anpassungskompetenzen eingebettet ist» bezeichnet, um die Quellen der Kontamination zu vermindern und Mischinfektionen zu begrenzen. Deshalb ist es für das Pflegeteam wichtig, Ihre Lebensgewohnheiten, Ihre Wohnbedingungen und Ihre Arbeitslast zu kennen, so dass die Hygienemassnahmen Ihrer Situation angepasst werden können.

Händewaschen

Korrektes Händewaschen

Abgesehen von der Pflege beruht die Hygiene der Hände auf Waschen mit Wasser und einer sanften Seife (vorzugsweise Flüssigseife). Bei der Pflege wird eine hydroalkoholische Einreibung empfohlen (z.B. mit Sterilium®). Die Erziehung zur Hygiene der Hände sollte bereits in der frühen Kindheit erfolgen. Die Desinfizierung der Hände erfolgt auf systematische Art und Weise:

  • Vor dem Essen
  • Vor und nach dem Umgang mit Nahrungsmitteln
  • Nach dem Gang zur Toilette
  • Nach dem Naseputzen
  • Nach dem Umgang mit schmutzigen Gegenständen
  • Nach dem Berühren eines Tieres
  • Vor und nach der Benutzung eines Aerosol-Verneblers

Badezimmer und Toilette

  • Vorzugsweise Flüssigseife (Spender) verwenden, die Verpackungwechseln, wenn sie leer ist, keine Nachfüllung verwenden.
  • Zahnbürste 1x/Monat wechseln.
  • Vor Benutzung das Wasser aus dem Wasserhahn und der Dusche einen Augenblick lang laufen lassen, um stehendes Wasser zu beseitigen, das seit mehreren Stunden (>8 Stunden) in den Rohren war und kontaminiert sein könnte. Achten Sie darauf, dass sich das Kind nicht in der Nähe befindet (Wasserspritzer).
  • Die Umgebung (Boden, Armaturen, Badewanne, Dusche, Toilette...) mit einem Reinigungsmittel reinigen und wenn möglich einmal wöchentlich mit Javelwasser desinfizieren.
  • Den Toilettendeckel vor dem Spülen herunterklappen (durch die Wasserspülung entstehen Aerosole).

Haustextilien

  • Regelmässig Badetücher, Handtücher, Waschlappen, Kopfkissenbezüge, Geschirrtücher usw. wechseln.
  • Textilien bevorzugen, auf denen «Javel zugelassen» steht
  • Schwämme vermeiden (günstiges Milieu für die Verbreitung von Bakterien), Waschlappen vorziehen.
  • Textilien wenn möglich bügeln, dieshat eine antimikrobische Wirkung.
  • Bettwäsche häufig wechseln.
  • Zimmer nicht übermässig beheizen (ideale Temperatur im Schlafzimmer 18° bis 20°C). Die Wohnung regelmässig lüften.

Alltag

  • Rauchen in der Umgebung des Patienten untersagen.
  • Abwaschbares Spielzeug bevorzugen. Regelmässig abwaschen und wenn möglich 1x wöchentlich mit Javel®-Wasser desinfizieren oder im Geschirrspüler waschen (ein Spülgang nur für Spielzeug). Hohles Spielzeug vermeiden, das Feuchtigkeit speichert. Badespielzeug muss abgetrocknet werden. Badespielzeug, das sich mit Wasser füllenlässt, vermeiden.
  • Pflanzen wie z. B. Ficus können allergisch machen. Feuchte Erde kann eine Quelle der Kontamination sein. Die Anzahl der Pflanzen im Inneren begrenzen. Ein paar Tropfen Javel®-Wasser in Schnittblumen geben. Sie tragen keinen Schaden davon, ganz im Gegenteil.
  • Klimaanlagen und Luftbefeuchter, die Wasser verwenden, vermeiden.
  • Papiertaschentücher verwenden. Nach der Benutzung wegwerfen.
  • Soweit wie möglich den Kontakt mit Verwandten /Familienangehörigen vermeiden, die an Erkrankungen der Atemwege leiden, insbesondere in der Zeit winterlicher Epidemien. Die Grippeimpfung bei Personen fördern, die sich in der Nähe des Patienten aufhalten.
  • Die Lagerung der Medikamente im Kühlschrank muss getrennt von Nahrungsmitteln statt finden. In eine für diesen Zweck vorgesehene Dose legen. Das empfohlene Haltbarkeitsdatum beachten
  • Einmal wöchentlich das Umfeld reinigen und desinfizieren (Tisch, Schreibtisch, Telefon, Schalter...).

Schwimmbad, Meer, Dampfbad... und Staub

  • Private Schwimmbäder können ein Risiko darstellen, da es keine oder nur wenige bakteriologische Kontrollen gibt. Informieren Sie sich ein Ihrem Verkäufer, was die Chlorierung angeht.
  • Freibäder sind Hallenbädern vorzuziehen.
  • Das Baden im Meer stellt kein Problem dar, da die Salzkonzentration das Wachstum der Bakterien hemmt.
  • Dampfbäder, Heilbäder und Whirlpools sollten vermieden werden, da die feuchte Atmosphäre und das stillstehende Heisswasser die Vermehrung von Keimen begünstigen.
  • Das Wasser in kleinen Pools bzw. Planschbecken im Garten oder auf dem Balkon muss täglich gewechselt und das Becken desinfiziert werden.
  • Orte, an denen Bau- oder Renovierungsarbeiten vollzogen werden, sollten wegen des Staubs besser gemieden werden.

 Schule und Freizeit

  • Die Impfungen müssen regelmässig gemacht werden.
  • Enger Kontakt zwischen Patienten, die cystische Fibrose haben, ist zu vermeiden, da die Gefahr von Kreuzinfektionen besteht.

Haustiere

Von Haustieren wird nicht abgeraten, ausser bei entsprechenden Allergien.

Reinigung und Desinfizierung des Verneblers

Die Beachtung der Empfehlungen zur Desinfizierung des Produkts ermöglicht die Senkung der Kontaminationsgefahr.

  • Vor der Vorbereitung einer Inhalation die Hände gründlich waschen oder mit einer hydroalkoholischen Lösung abreiben (Sterilium®).
  • Das Inhalationsgerät ist persönlich (es kann auf keinen Fall geliehen werden).
  • Kein feuchtes Inhalationsset zusammenbauen oder verwenden (die Restfeuchtigkeit begünstigt das Wachstum von Keimen).
  • Wenn die betroffenen Teile schmutzig oder beschädigt sind, sind sie zu entfernen und durch ein neues Produkt zu ersetzen (mindestens 1x pro Jahr).

Die Angaben zur Häufigkeit der Desinfizierung des Produkts schwanken zwischen täglich und wöchentlich, in Abhängigkeit von den verschiedenen Institutionen. Besprechen Sie die Häufigkeit daher mit Ihrem CF-Team.

Reinigung nach jeder Anwendung

  1. Die vom Hersteller zusätzlich gemachten Angaben in Bezug auf die Reinigung und Desinfizierung beachten.
  2. Den Vernebler in seine verschiedenen Elemente zerlegen.
  3. Die Elemente unter fliessendem Wasser reinigen (eventuell mit etwas Geschirrspülmittel) und anschliessend gründlich abspülen.
  4. Alle Elemente gut abschütteln und mit einem Küchenpapier, einem sauberen Putztuch (faserfrei) oder einem Haartrockner trocknen.
  5. Die Elemente in ein sauberes Tuch einwickeln (nicht dasjenige verwenden, das für die Trocknung verwendet wird). Geschützt vor Staub aufbewahren (weder neben noch auf dem Waschbecken)

Desinfektion mit einem Sterilisator

Es ist wichtig:

  1. Die Elemente des Geräts aus dem Sterilisator nehmen, sobald sie etwas abgekühlt sind.
  2. Nicht im Sterilisator trocknen lassen (Restfeuchtigkeit).

Chemische Desinfektion:

  1. Die Elemente in eine Chemikalie zur Desinfektion eintauchen.Beispiel: Desinfektion des Inhaliergeräts 1x/Woche mit Deconex 53®Plus Bad mit 1 %: 1 Liter fliessendes Wasser mit 10 ml Deconex 53®Plus. Mindestens 60 Min. einwirken lassen
  2. Gründlich mit heissem Wasser abspülen.

Desinfektion mit kochendem Wasser

  1. Die verschiedenen Elemente etwa 15 Minuten lang in kochendes Wasser legen.
  2. Die verschiedenen Elemente müssen vollständig untergetaucht sein.
  3. Wenn das Wasser einen zu hohen Kalkgehalt hat, destilliertes Wasser verwenden.

Inhalationshilfe

Reinigung gemäss den Angaben des Herstellers.

  1. Die Inhalierhilfe Vortex® mit Metallrohr kann mit einem Sterilisator in kochendem Wasser oder chemisch desinfiziert werden.
  2. Die Inhalierhilfe Aeorochamber® kann nur chemisch desinfiziert werden (keine thermische Desinfektion möglich).

Klassische Geschirrspüler, die grundsätzlich eine praktische Alternative bieten könnten, erzeugen keine ausreichend hohe Temperatur (70°) und erweisen sich als kostspielige Methode durch die Wiederholung von fast leeren Durchläufen (ein Durchlauf muss dem Inhalationsgerät vorbehalten werden).

Präsentation: Hygiene im Alltag

  • Hygiene im Alltag - Massnahmen bei Patienten mit cystischer Fibrose (CF)

    Eine Präsentation von Luzia Vetter und Rolf Kuhn, Luzerner Kantonsspital

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